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2. Mai 2011

Ich bin drauf reingefallen. Auf den Osterhasen.

Obwohl, das stimmt so nicht. Der Osterhase wurde mißbraucht. Und das kam so…

Viele, viele Tage vor Ostern begann meine Familie  Telefonate mit mehr oder weniger dezenten Hinweisen auf den nahenden Sommer und die dafür notwendige Garderobe zu spicken. Und da ich ja eh immer arm wie eine Kirchenmaus sei (was natürlich nur daran liegt, dass ich unbedingt mein eigenes Ding durchziehen muß und nicht in meinen anständigen Beruf zurück gehen will, zu dem man mich in jungen Jahren ja zumindest noch nötigen  konnte zu dem man mir in jungen Jahren ja zumindest noch verhelfen konnte) wolle man mir das ein oder andere sommerliche Kleidungsstück spendieren .

Ich lehnte jedes Mal freundlich dankend ab, denn erstens reicht mein Verdienst  um nicht nackt auf die Straße zu müssen und zweitens ist der Preis für diese milden Kleidergaben meist eine Menge Seelenschmerz.

Doch die Familie wußte sich zu helfen und engagierte den Osterhasen für ihre Mission  – der brachte nämlich einen vorösterlichen *KarsamstagmitderSchwestershoppen* -Gutschein.

Leider war ich zu höflich, um diesen Geschenk zurückzugeben.

Also zogen meine Schwester und ich  Karsamstag früh los – Ulla P. sollte die erste Anlaufstelle sein. Ich mag die Kleidung von Ulla P. nicht – was aber niemanden interessierte, denn einem geschenkte Gaul hat man schließlich nicht ins Maul zu schauen.

Bei Ulla P.  wurde ich Richtung Umkleidekabine geschickt . Schwesterherz wollte etwas Schönes aussuchen – also wartete ich gespannt.

Kurze Zeit später wurde mir eine beige Hose in Größe 60 gereicht, begleitet von den Worten “Ich hoffe, die passt, denn größer gibt es die nicht”

Jo passte – also zumindest falls man Hosen jetzt nicht mehr auf den Hüften sondern lässig um die Füße drapiert trägt, denn genau dorthin verabschiedete sich das gute Stück, nachdem ich es geschlossen und losgelassen hatte. “Für dich findet man noch nicht einmal in Spezialgeschäften Kleidung”  Schwesterherz wurde maulig. Ich hängte schweigend die Hose zurück und verließ den Laden.

Und verpasste den Zeitpunkt diese demütigende Shoppingnummer zu beenden, so dass ich mich kurze Zeit später im nächsten Übergrößen-Geschäft wiederfand. Die Inhaberin des Ladens musterte mich kritisch und murmelte irgendwas von “muß man alles kaschieren” um mich dann mit einem schwarzen Zweimannzelt in die Umkleidekabine zu schicken, in die sie mir 2 Minuten später noch ein knalloranges Dreimannzelt reichte, das in den 70ern sicher mal als Tagesdecke für ein Ehebett gedient hatte…. beides trage man übereinander , verriet sie mir und das sehe einfach toll aus…

Mein Spiegelbild sagte eher sowas wie  “Kauf dir noch ‘ne Glaskugel und bewirb dich beim nächsten Wanderzirkus”

So schnell es ging entledigte ich mich meiner Verkleidung  und drückte sie der Frau wieder in die Hand. “Gefällt Ihnen das etwa nicht? Was wollen Sie denn denn tragen? Mit Ihrer Figur???”  “Zumindest nichts aus diesem Geschäft  blöde Kuh!”

Mir war jetzt nach einer großen Tasse Milchcafe und ‘ner Runde heulen. Aber hey. ich sollte beschenkt werden, da ist in bischen Dankbarkeit und Demut gefragt und die eignen Befindlichkeiten müssen halt mal zurückgestellt werden.

Letztendlich fanden wir dann zwei Hosen und eine Bluse beim Kleiderschweden…Schwesterherz shoppte sich noch durch diverse Esprit  und Mexx Shops …und hielt mir Vorträge über das Abnehmen. Alles konträr zu den Tipps meiner Ernährungsberaterin – aber was weiß eine auf Ess-Störngen spezialisierte Oecotrophologin schon im Gegensatz zu einer wohlmeinenden Schwester, die sich überwiegend von Mc Donalds und Kinderschokolade ernährt…tz

Ich hatte diesen Samstag mit einem Blick in den Spiegel begonnen, mich angelächelt und gedacht “OK ein bischen dick, aber sonst ganz ok” .

Am Abend diess Tages habe den Spiegel gemieden und mich wie der dickste und häßlichste Mensch der Welt gefühlt…

Was für ein Ostergeschenk.

20 Antworten zu „.“

  1. Melody Sagt:

    Ach, nimm mich doch bitte mal mit. Danach braucht aber deine Schwester einen Therapeuten *freundlichlächel* :-)

    Ansonsten sag ich nur:
    http://www.holyclothing.com
    grauenvolle Website, wunderschöne Sachen. Mir ist es schon mehrfach (fünfmal oder so) passiert, dass Frauen sich quer über die Straße geworfen haben, um mich zu fragen, wo ich dieses Kleid und jenes Oberteil gekauft habe.

  2. SusiP Sagt:

    Gibt´s ja nich? Also das erste Mal hab ich mein Haupt bei Größe 60 geschüttelt und dann bei der netten Verkäuferin. Das tust dir ja wohl nicht nochmal an, oder?

  3. Sudda Sudda Sagt:

    Ach Süße,

    warum lässt du das mit dir machen? Du bist nicht die dickste und schon gar nicht die hässlichste Frau. Für mich bist du die tollste Angela auf der ganzen Welt und du hast es nicht verdient, so erniedrigt zu werden.

    Ach menno. Jetzt muss ich weinen.

    • allerleirauh Sagt:

      Nicht weinen…

      Ganz ehrlich? Ich glaub ich habe das gebrauht – noch einmal die volle Breitseite, damit ich endlich lerne Abstand zu halten zu Menschen, die mir nicht gut tun – Familie hin oder her…

  4. Cardio Girl Sagt:

    Au man, mein Mitgefühl hast du und meine Bewunderung dafür, dass du weder deine Schwester noch die Verkäuferin verprügelst hast…;-)
    LG, Cardio Girl

  5. Schäfchen Sagt:

    *schluck*
    Es wundert mich, dass deine Schwestern überhaupt noch mit dir zum Kleiderschweden sind, wenn doch selbst die “Spezialgeschäfte” nix für dich haben…

    Boah – ich reg mich auf. Und hab nen dicken Kloß im Hals. Warum sind die so zu dir? WARUM????

    Wenn wenigstens dafür gut war, dich endgültig von der Familienfessel zu befreien… dann hatte diese Nummer zumindest diesen guten Aspekt *schnauf*

  6. Habiba Sagt:

    Du Liebe, ich glaube, die wissen gar nicht, was sie dir antun. Und ich glaube, dein nächstes Etappenziel muss sein, loszulassen. Genau dort, wo es am meisten weh tut. Wie schwer das ist, kenne ich aus eigener Erfahrung. Aber es heilt. Ich denke an dich!

  7. movingtarget Sagt:

    Schäfchen, die sind so zu ihr, weil das die Rolle ist, die sie ihr innerhalb der Familie zugewiesen haben: Man braucht ein schwarzes Schaf, um sich selbst aufzuwerten. Je charakterschwächer Menschen sind, desto mehr suchen sie Schwächen bei anderen.

    Wenn das schwarze Schaf sich dann wehrt, ist ja die eigene Position in Gefahr, deswegen hackt man dann noch mal drauf.

    Ich meine das übrigens ernst, nimm mich ruhig mal mit. That’ll teach her to tango, deine Schwester wird nie mehr sein wie vorher *gg* :-)

    • allerleirauh Sagt:

      Ja genau so – je weniger ich bereit bin meine alte Rolle zu spielen umso verletzender werden sie. Der Shoppingtag war da nur ein harlosr Anfang zu dem was noch kam… Letztendlich wurde meine Therapeutin als die Böse identifiziert. Seit ich dort hingehe wird es angeblich immer schlimmer mit mir. Ich werte das mal als Therapierfolg :-)

      Danke für dein Angebot – das würde ich so gern erleben, dass ich glatt nochmal mit der Schwester shoppen ginge…*gg*

      • Melody Sagt:

        Du weißt aber schon, dass ich 1,82m groß und vollkommen skrupellos bin? Vielleicht nimmst du mich einfach mal mit zum Tee. Höhöhö.
        ;-)

        • Allerleirauh Sagt:

          Oh die 1,82 fallen nicht so auf, die hat meine Schester auch. Unverblümte Reaktionen auf ihre verschwurbelten Ansichten dürften allerdings für reichlich Irritation sorgen ;-)

  8. Tini Sagt:

    Ach Mensch, schrecklich das zu lesen. Ich fühle es mit, kenne es ja auch.
    Man fühlt sich so verraten, so allein, so entwertet – von der eigenen Familie.

    Muss Sudda zustimmen, ich finde auch, Du bist die tollste Angela, die ich kenne. Ich mag Dich – einfach so. :o )

  9. frauniepi Sagt:

    wart mal, ich hol mir schnell noch ne kelle sauce hollandaise.

    so jetzt. wtf! oh mann! sowas kann einem auch nur in der familie passieren. ich hoffe du weißt dich da irgendwie abzugrenzen. gibt ja nichts schlimmeres als leute, die denken sie würden dir was gutes tun, um komplett zu übersehen was du eigentlich brauchst.
    in der nächsten zeit können sie es gern von weitem gut meinen. tut mir leid, daß du dich schlecht gefühlt hast.

  10. allerleirauh Sagt:

    Danke ihr Lieben – euer Vertändnis ist echt Balsam für meine Seele!

  11. trinchen Sagt:

    Ach, es ist alles schon gesagt.
    Ich schicke trotzdem nochmal eine Umarmung rüber. Wie kann man sich nur so verhalten?! Mein Kopf rafft sowas gar nicht. Fies, fies, fies! Achja und wenn Du wieder dran denkst, dass Du zu Deiner Familie mußt oder so, dann lies Dir den Post durch, dann vergeht Dir die Lust von selbst. So behandelt zu werden hat kein Mensch der Welt verdient und Du schon mal sowieso überhaupt gar nicht!
    Ich freue mich schon wie ein Keks darauf, dass wir uns am WE sehen.


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