Nackt im Eisregen…
12. April 2011
Das derzeitige Meditationsbuch meiner Wahl empfahl mir am Freitag diese Übung:
Wenn Sie nur noch 10 Jahr zu leben hätten, was würden Sie dann tun? Wo würden Sie wohnen. Was würden Sie bei der Arbeit, in der Liebe in der Freundschaft, in der Freizeit unternehmen? Wenn die Antworten nicht mit Ihrem gegenwärtigen Zustand übereinstimmen, sollten Sie dies ändern.
Diese Fragen versuchte ich nun seit drei Tagen zu beantworten und kam zu dem Schluß: Ich muß noch ganz viel ändern, denn irgendwie befinde ich mich grad in einer Sackgasse. Bei dem Versuch, mal wieder eine innere Hürde weiträumig zu umgehen, habe ich mich wohl verlaufen und nun plätschert mein Leben so vor sich hin…ein eher doofer Zustand, wie ich finde.
Nachdem ich vergeblich versucht habe, allein den Weg aus der Sackgasse zu finden, hoffte ich heute früh auf ein paar tröstende Worte meine Therapeutin.
Stattdessen gab es dann aber einen therapeutischen Wink mit dem Zaunpfahl: „Auch diese Hürde ist da um genommen zu werden – seien Sie jetzt mutig oder vergammeln Sie in Ihrer Sackgasse” (natürlich war der Zaunpfahl in eine sanfte Therapeutensprache verpackt und nicht so platt formuliert, wie ich es hier tue).
Trotzdem fühlte ich mich nach dem Gespräch, als hätte man mich nackt in den Eisregen gestellt: Die Zähne klapperten, die gefühlte Kälte machte das Atmen schwer und das Trotzkind in mir fand, es wäre mal wieder Zeit, sich brüllend und strampelnd auf den Boden zu werfen.
In solchen Situationen hilft nur eins: Laufschuhe an und ab an die Ems, den Kopf freilaufen…
Bei Kilometer 5 fiel bemerkte ich dann auch die wärmenden Sonnestrahlen wieder und am Emssee angekommen, hatte mein erwachsenes Ich das brüllende Kleinkind in mir halbwegs unter Kontrolle.
Atemlos war ich nur noch, weil ich ein Tempo drauf hatte, das ich im „Normalzustand“ niemals schaffe…
Den Rückweg absolviert ich gehend.
Daheim angekommen, war mir klar, ich will nicht noch eine Seelen-Hürde mühsam Stein für Stein abtragen – ich versuche es jetzt einfach mal mit drüber springen.
Bis Ostern habe ich Zeit, mental Anlauf zu nehmen und mich auf diesen Sprung vorzubereiten.
Sollte ich mir dabei – was ich nicht hoffe – die Knochen brechen, lasse ich mich zu Pieps auf‘s Zimmer legen. Vielleicht bekomme ich ja auch so einen schönen Verband
12. April 2011 um 10:36
Jetz weiß ich endlich, warum Therapiezimmer immer so groß sein müssen: wegen der strampelnden großen Trotzkinder…seh dich quasi vor mir
Ich drück dir die Daumen für Deinen Sprung!
Soll ich ein wenig schieben oder Rückenwind pusten?
12. April 2011 um 11:08
*lol* Sehr schönes Bild Bea…
Rückenkenwind wäre toll – Danke!
12. April 2011 um 11:00
Kleines Trampolin vielleicht?
Ja, spring. Vielleicht springste auch zweimal, dreimal, viermal… Aber irgendwann bist du drüber!
12. April 2011 um 11:09
Trampolin ist eine gute Idee…
12. April 2011 um 14:16
Ich bewundere Dich sehr;
Du trittst Dich immer wieder selbst in den Hintern und drehst Dich in der Sackgasse um…die Hürde schaffst Du auch noch. Klaro. Irgendwann. Irgendwo.
12. April 2011 um 17:06
Nix da, du hüpfst da eimfach so drübber! Verband juckt nämlich!
12. April 2011 um 19:08
Hmmmm das hört sich ja schon ein bisschen traurig an.
Was ich von mir kenne ist, sich selber nicht zur Ruhe kommen lassen. Wenn eine Baustelle geschlossen werden kann – oder kurz davor ist geschlossen zu werden, öffne ich mir selber zwei neue. So, dass ich nicht zur Ruhe komme.
Aber ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du ohne Verletzungen über die Hürde fliegst
12. April 2011 um 20:06
Jo. Ehrlich gesagt war ich gestern auch erst einmal ziemlich down.
Neue Baustellen aufmachen kann ich auch gut. Jetzt grad muß ich aber eine zumachen und akzeptieren, dass ich mein Ziel zwar nicht erreicht habe, aber an allen andere Stellen auch nicht weiterkomme, wenn ich nicht einfach mal abschließe. Grad ist mir noch ein Harmoniebedürfnis im Weg – aber das muß dann jetzt wirklich mal überspringen…
13. April 2011 um 00:29
“Bei dem Versuch, mal wieder eine innere Hürde weiträumig zu umgehen, habe ich mich wohl verlaufen und nun plätschert mein Leben so vor sich hin…ein eher doofer Zustand, wie ich finde.”
Genau dieses Gefühl kenne ich auch nur zu gut!:-(
Die Idee mit dem Drüberhüpfen finde ich klasse… wenn das Hindernis einen dann nur nicht irgendwann einmal hinterhältig (wieder) zu Fall bringt oder gar fast erschlägt… hmmm…
Ich wünsch dir jedenfalls ALLES GUTE und viel Mut, liebe Allerleirauh!!!
Herzliche Grüße,
SOLEILrouge
15. April 2011 um 20:03
Mit dem richtigen Anlauf wirst du die Hürde sicher und heil überspringen! Ich wünsche dir dafür auf jeden fall viel Kraft.
Übrigens musste ich nochmal an die Worte meiner Therapeutin denken, dass das innere Kind manchmal auch nur etwas Anerkennung und Streicheleinheiten braucht.
LG, Cardio Girl
16. April 2011 um 20:57
Oh, hallo Cardiogirl. Wiw schön mal wieder von dir zu lesen. Ich hoffe es geht dir gut ?!
16. April 2011 um 21:39
Mir geht es gut, danke. Hatte mich wegen dem Studium ne Weile aus der Blogosphäre zurückgezogen, hab aber jetzt endlich wieder Zeit und Lust zu bloggen!
17. April 2011 um 20:59
Puh! Ich finde, das ist aber auch eine wirklich deprimierende Überlegung.
Seit “das Beste kommt zum Schluss” mit Jack Nicholson denke ich immer wieder über meine “Löffelliste” nach. Und ich finde das jedes Mal deprimierend und versuche den Gedanken dann imemr ganz schnell zur Seite zu schieben.
Ich finde, wenn man gerade eh nicht sehr standfest ist im eigenen Leben, dann sollte man sich solcher Themen nicht stellen…
Aber ich wünsche Dir jedenfalls GANZ viel Erfolg bei Deiner Suche nach Deinen Löffeln